Warum wir keine Wärmepumpen wie unsere Kollegen in Dänemark, Norwegen, Schweden oder Finnland einbauen !
In den Medien geistert immer wieder die Aussage herum, in Skandinavien, von Dänemark bis zum Nordkap, würden unendlich viele Häuser bereits mit Wärmepumpen beheizt. Das sei ja wohl Beweis genug, dass Wärmepumpen hier in Deutschland auf jeden Fall funktionieren müssen.
Ich gehe beispielhaft auf Schweden ein, weil dort mehrere Freunde über das gesamte Land verteilt in ihren wunderschönen weil toll renovierten Schwedenhäusern leben, die mich bzgl. ihrer ganz persönlichen Erfahrungen mit der schwedischen Heizungstechnik regelmäßig informieren:
- Ein statistisch durchschnittliches Wohnhaus in Schweden ist ca. 63 m² groß, also viel kleiner als unsere typischdeutschen Wohnhäuser.
- Die Wärmedämmung der meisten dieser Holzhäuser ist im Vergleich zu unseren Wohnhäusern eher schlechter, außer sie wurden intensiv kernsaniert. Dies ist in Schweden aber eher unüblich.
Wegen der Ölkrise gibt es in Deutschland seit Mitte der 1970er Jahre die Pflicht zur Wärmedämmung, in Schweden nicht. - In Schweden wird das Warmwasser fast generell mit kleinen strombeheizten Warmwasserspeichern geleistet, die Klimageräte sind nur für die Beheizung der Räume da. Dort sind die Heizkörper sehr klein ausgelegt, es ist eine hohe Vorlauftemperatur notwendig, die Wärmepumpen kaum und Klimageräte gar nicht leisten können.
(Diese Warmwasserspeicher stehen häufig draußen in der Kälte, haben also obendrein einen miserablen Wirkungsgrad.) - Die in Skandinavien zum größten Teil verbauten Wärmepumpen sind fast immer kleine Klimageräte aus Asien mit schlechtem Wirkungsgrad, darum können die Schweden ihre Häuser mit diesen Klimageräten nur bis max. zum Gefrierpunkt beheizen. Wird es kälter, muss die gute alte Holzheizung herhalten, und da gehen dann allein an diesen kalten Tagen zusätzlich schon mal 10 m³ und mehr an Brennholz pro Jahr bei diesen kleinen Häusern durch den Ofen/Schornstein.
Die Schweden sind also mit den Wärmepumpen/Klimageräten in ihren typischen Häusern nicht autark, sie benötigen fast immer eine zweite Heizquelle.

Foto einer Wärmepumpe in Sölvesborg, Schweden.
Sie steht samt strombetriebenem Warmwasserspeicher vor dem Haus.
Das Schwedenhaus von Freunden in Urshult nördlich von Karlshamn:
67 m² Wohnfläche auf 1,5 Ebenen mit Wohnen, Küche/Essen, Bad, 2 Schlafzimmer, Abstellkammer
Es steht auf einem Steinsockel mit geringem Hohlraum über Sand unter den Holzfußböden (so wurden die Backsteinhäuser in Deutschland vor dem 1. Weltkrieg auch häufig gebaut)
Das rechte Drittel ist unterkellert
Das Dach wurde neu gedeckt mit 16 cm Wärmedämmung
Die Außenwände sind original von 1958, nur Wohnraum, Küche und Bad wurden von innen zusätzlich mit 6 cm gedämmt
Die Fenster sind neu, aus Holz mit 2facher Verglasung. Mehr geht nicht, da sich die Holzrahmen wegen des zu hohen Gewichts von 3fach-Verglasung verziehen würden.

Das Klimagerät steht wegen der Schneemengen auf einer Wandkonsole und hat ein zusätzliches Dach. So kann die Anlage täglich gut schneefrei gehalten werden.

Fast alle Geräte sind Splitgeräte mit Kältemittel R410 oder R32, um Frostschäden an den Geräten im tiefen Winter bei auch nur kurzem Stromausfall zu vermeiden.
Das Innengerät ist bei diesem Wohnhaus im kleinen Keller aufgehängt, aber ohne Puffer o.ä. . Die Energie geht direkt vom Innengerät in die Heizkörper, was zu einem erhöhten Verschleiß führt.

Dieses Klimagerät kommt aus Thailand, leistet bei einer Stromaufnahme von max. 940 Watt immerhin max. 4,0 kw Heizleistung. Der E-Stab hat 6,0 kw Heizleistung.
Mehr Stromleistung ist auf dem Lande und in den vielen kleinen Orten und Städten auch gar nicht vorhanden: Anschlussleistungen wie bei uns von 50 A, 63 A und mehr sind völlig unrealistisch.
So müssen unsere Freunde ab spätestens +2°C Außentemperatur mit Holz zuheizen, ansonsten fällt die Raumtemperatur ab. (Nachbarn fangen schon bei +5°C an mit Holz zu heizen, da das Haus noch schlechter isoliert ist.)
Der Warmwasserspeicher (unten) wird direkt elektrisch im Verhältnis 1:1 beheizt.
Wegen der geringen Stromanschlussleistung des Hauses ist die Warmwasserbereitung im Winter gedrosselt.
